Schulden 8500 Euro in 6 Monaten


Das Mail das wir im Dezember 2011 gekriegt haben, wollten wir zuerst nicht glauben.

Eine Familie mit 2 Kindern wurde innerhalb weniger Monate in eine solche Schuldenfalle gelockt wie wir dies noch nie gehört haben. Er verlor im Sommer seine Arbeitsstelle,  ihre Arbeitsstelle wurde auf 30% gekürzt. Die beiden Kinder 8 und 11 sind innerhalb weniger Monate zum Sorgenfall geworden.  Er hat am 3.11.2011, zum ersten mal in seinem Leben einen Menschen geschlagen, sein eigenes Kind.

Aus einem regelmässigen Einkommen von 3150 Euro im Monat und einem kleinen Ersparten, wurde bis zum November ein Minus von über 8500 Euro. Im Dezember  mussten sie die Wohnung räumen, aus Kostengründen zog man aufs Land. Begonnen hat alles mit einer E-Mail. „So können Sie nur gewinnen“.

Mit 30 Euro ist man dabei. Online-Casino heisst das Zauberwort und wenn man nach einem genauen Plan zockt, kann man nur gewinnen, Auf der Homepage Aussagen von Personen die schon gewonnen haben. Ernst (wir nennen den Vater mal so), lies sich blenden. Und tatsächlich in der ersten Woche gewann Ernst 104 Euro, er spielte nach dem Plan B, immer verdoppeln (lese auch den Hinweis am Schluss).

Er berichtete seiner Frau vom „Erfolg“ und ab sofort hatten beide ein neues Hobby und beide hatten etwas wichtiges, eine Kreditkarte und sehr viel Zeit. Warum eine neue Arbeit suchen, wenn das Geld auf der Strasse liegt. Ernst hatte die ersten Tage Glück, verlor selten und auch seine Frau konnte kleine Gewinne verbuchen. Es war Mitte August, als die Glückssträhne zu reissen begann. Ernst und seine Frau konnten es nicht verstehen, spielten Sie doch beide genau nach Plan B, mit all den Zusatzoptionen. Ernst wusste damals schon nicht mehr ob er nun im Plus oder Minus steht.  Seine Frau meinte „ich bin immer noch im Plus“..

Die ganze Geschichte hier aufzuschreiben macht wenig Sinn. Ernst und seine Frau verfielen der Spielsucht. In zig Online-Casinos hatte man sich schon angemeldet, dies war einer der „Super-Tipps“ aus dem Plan B.  Der Tag gehörte dem Computer, es war kaum noch Zeit für Kinder, Wohnung und anderes. Selbst ein Stellenangebot, dass sein letzter Arbeitgeber ihm zugesandt hatte, verschwand im Papierkorb. Im Forum des Plan B Herausgebers, fanden sie Gleichgesinnte die immer neue Tipps, Zeiten und Casinos besprachen.  Seine ersten Posts „aber ich verliere im Augenblick…“ wurden sofort beantwortet mit „jetzt nicht aufgeben“.

Die ersten Kreditkarten – Abrechnungen folgten, nach 30 Tagen die nächsten mit der Ermahnung der noch offen Posten, der Vermieter wartet auch schon auf sein Geld, da man das Familienkonto bereits für die Tilgung der ersten Zahlungen missbrauchte.  Es begann die Zeit der Lügen. Man musste die Gläubiger schon nach kurzer Zeit mit „traurigen Geschichten“ hinhalten. Bis Ende Oktober ging alles gut, dann waren die Kreditkarten von beiden gesperrt.

Ein Besuch bei der Bank, ergab nochmals einen kleinen Kredit über 1200 Euro, mehr war nicht mehr zu machen.  Das Geld wurde „gut“ investiert. In die letzten Momente des „Glücks“ in der Online-Welt. Aus der ehrbaren Familie Ernst wurde eine hinter geschlossenen Gardinen lebendes Etwas. Ende Oktober meldete sich die Schulbehörde bzw. die Lehrerin des älteren Kindes. Die  Leistungen seit den Sommerferien seien bedenklich gesunken…

Auf die einzelnen Begebenheiten wollen wir nicht mehr eingehen. Was stutzig machen sollte, ist die Tatsache, dass sich das ganze in einer sehr kurzen Zeit (5 Monate) zugetragen hat. Das 2 Menschen die noch nie (ausser dem Lottoschein) an Glücksspielen teil genommen haben, in so kurzer Zeit in eine solche Sucht geraten sind. Existenzielle Dinge wurden vergessen, Verantwortung wurde abgelegt, die Kinder vergessen. Man hatte Schulden, und der Schuldige war schnell gefunden, der Herausgeber des Plan B, der Herausgeber (Bank) der Kreditkarten, das Online-Casino, das Forum mit „getürkten“ Meldungen usw.  Wer in eine solche Sucht gerät, findet alleine nicht mehr heraus und sollte sich sofort nach professioneller Hilfe Umsehen.  Als der Spuck vorbei war, waren keine 5 Euros mehr da um Lebensmittel zu kaufen. Die letzten 100 Euros kamen noch von den Eltern von Ernst.

Erst im Dezember liess sich Familie Ernst helfen. Martin von unserem Blog besuchte die Familie, konnte 250 Euros aus unserer Spendenkasse mitnehmen und zusammen mit der Stelle für Suchtprävention der Familie helfen(?).  Zumindest wird nun ein Zahlungsplan der Familie ein Zeit der Überbrückung geben. Dabei hatte die Familie Glück bei einer guten Bank zuhause zu sein, die die Probleme erkannte und auch auf die guten Jahre davor zurückschaute. Ernst ist nicht gesund, wird aber Mitte Februar wieder einer Arbeit  nach gehen.

Die Schuldenliste ist nicht lang aber „Kräftig“

Kreditkarte Ernst  -4000 Euro plus 12,3% Schuld-Zins

Kreditkarte Partnerin – 2500 Euro plus 12,3%Schuld- Zins

Konto Bank – 995 Euro

Kredit Bank – 1200 Euro plus 5% Schuldzins

Nebenschulden: Miete 2700 Euro (Dank des Verwalters mit 100 Euro Rückzahlbar)

Monatliches Einkommen im Augenblick: 1345 Euro. Fixe Kosten und Lebensunterhalt 1300 Euro. Ab Februar steht der Familie wieder 1000 Euro mehr zu Verfügung, um die Schulden abzutragen.

Aussagen von Ernst: Nie wieder. Aussagen seiner Frau: Wir haben wohl etwas falsch gemacht.

Diese Geschichte hat kein Happyend.  Sie soll zeigen, dass Gewinnversprechen in der Glücksspiel-Industrie nie aufgehen können. Glauben Sie keinem Plan B oder System. Glauben Sie keinen Berichten, wenn Sie die Personen nicht selber kennen und selbst dann, hinterfragen Sie den Gewinn.

Einstein meinte einmal

„es gibt nur zwei Möglichkeiten, auf Dauer beim Roulette zu gewinnen: Jetons zu stehlen oder Systeme zu verkaufen“

Informativ:

Die Spielschulden unterliegen in Deutschland dem deutschen Recht und Gesetzgebungen. Sie können wie andere Forderungen eingeklagt werden.

Die Ursachen, die zu den Spielschulden führten, werden bei den gerichtlichen Wegen nicht in Betracht gezogen, da der Gläubiger, wenn er nicht selbst für die Spielschulden des Schuldners verantwortlich ist, das Recht auf den Forderungsausgleich hat.

Verdoppeln macht keinen Sinn (Quelle Casinospiegel.net)

Nehmen wir zum Beispiel an man hat auf Rot gesetzt; fünf Euro; wir können es uns leisten. Die Kugel rollt und man hat seine fünf Euro verloren. Man setzt zehn Euro – wieder Schwarz. Man setzt zwanzig Euro – Schwarz. Vierzig Euro – Schwarz. Jetzt packt einen der Zorn. Einmal noch: achtzig Euro – Rot. Der Croupier schiebt einem 160 Euro zu. Triumph! Beharrlichkeit führt zum Ziel. Man rechnet zunächst gar nicht nach. Man hat gewonnen, das berauscht einen. Nun rechnen wir aber. Was hat man eingesetzt? 5 + 10 + 20 + 40 + 80. Summa summarum 155 Euro. Der Gewinn beträgt also ganze fünf Euro. Lohnte es sich, soviel aufs Spiel zu setzen?

Gesetzte zu Geldspielautomaten

Gesetzte zum Roulette

Eine Antwort zu “Schulden 8500 Euro in 6 Monaten

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